WM_2

WM – Zwischen allem Konsum ein bisschen Nachhaltigkeit

von Hannah Horstmann und Nicolai Hurrle

Die WM war ein großes Fest – das auch viel Müll produziert hat. Brasilien musste wie jedes veranstaltende Land überlegen, wie es mit den Müllmassen umgeht. Ein Schritt Richtung Nachhaltigkeit sind die Trikots der Spieler: Nicht nur die Shirts der brasilianischen Mannschaft bestehen größtenteils aus recyceltem PET, also Polyester. In den Trikots sind bis zu acht PET-Flaschen verarbeitet. Das Material ist leichter und trocknet schneller, was bei den schwül-heißen Temperaturen von Vorteil sein kann. Diese Methode ist deshalb nicht nur schick, sondern auch nachhaltig, da aus den alten PET-Flaschen recycelbare T-Shirts entstehen.

PET-Flaschen in Trikots?

So geht’s: Die Flaschen werden gesammelt, nach Farben sortiert, in Flocken gemahlen und in Pellets gepresst. Die entstandene Polyesterfaser wird zusammen mit Baumwolle zu einem Garn gesponnen. Daraus wiederum entsteht der Stoff, nun muss das Shirt nur noch genäht werden und fertig ist das Trikot!
In den letzten Jahren wurde die Herstellung von T-Shirts aus PET verbessert, sodass von anfangs zwei jetzt bis zu 12 Flaschen in einem Shirt verarbeitet werden können. Wertvolles Rohmaterial wird eingespart und gleichzeitig benötigt die Herstellung bis zu 30 Prozent weniger Energie. Die PET-Flasche hat sich vom Wegwerf- zum Recyclingartikel und somit zu einem neuen Geschäftszweig entwickelt.

Bildquelle: petrecycling

In Brasilien ist für das Müllsammeln der „Catador de material reciclável“ (Sammler von recycelbarem Material), kurz „Catador“, zuständig. Ohne die Müllmänner Brasiliens wäre das Land eine einzige Müllhalde, insbesondere bei Großveranstaltungen wie der WM. Trotz fehlender Anerkennung und schlechter Bezahlung wehren sich die Catadores gegen moderne Müllverbrennungstechnologien, da sie ihre Arbeit und damit ihre Existenz in Gefahr sehen. Fakt ist, dass Brasilien immer weiter wächst und damit auch die Massen an Müll immer größer werden. In Zukunft werden diese Mengen wohl nur noch mit technischen Hilfsmitteln zu bewerkstelligen sein. Um eine zugemüllte Copacabana zu vermeiden, wurden für die WM 840 Müllsammler geschult, wie sie sich in den Menschenmassen zu verhalten haben. Sie sollen nicht auffallen und sind doch unverzichtbar. Die Veranstalter rechneten mit 5 Tonnen Recyclingmaterial pro Spiel, was auf die gesamte WM hochgerechnet 320 Tonnen wiederverwertbares Material ergäbe. Das ist so schwer wie alle 32 Teambusse der WM-Mannschaften zusammen.

WM_1

„Blumenketten zu Blumen“

Damit die Fans bei zukünftigen Turnieren weniger Müll produzieren, haben sich drei Studentinnen der Hochschule für angewandte Kunst in Hildesheim etwas ausgedacht. Bis 2016 wollen sie Fanartikel entwickeln und herstellen, die nicht aus Kunststoff, sondern aus biologisch-abbaubarem Material bestehen. Zur Kollektion gehören Blumenketten, Fahnen und Rasseln. Während eine herkömmliche Blumenkette nach einer Weltmeisterschaft in der Ecke oder auf dem Müll landet, können aus den neuen Produkten Blumen wachsen.

Die Materialien zerfallen unter guten Umständen, wie zum Beispiel in einem Komposthaufen, innerhalb von sechs Wochen und fungieren als Nährboden für die Samen, woraus sich die Stockrosen- und Kapuzinerkresse-Pflanzen entwickeln. Das Biomaterial zerfällt zu Humus und die in die Kette eigearbeiteten Samen beginnen darauf zu wachsen.
Die Produkte sind bislang nur Prototypen, könnten aber bis zur EM 2016 in Frankreich erhältlich sein. So könnte sich beispielsweise die Berliner Fan-Meile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule in ein riesiges Blumenmeer verwandeln. Das Produkt ist also nicht nur biologisch abbaubar und spart Müll, sondern es entsteht gleichzeitig etwas schönes Neues.

Bisher gibt es nur Blumenketten aus Plastik, die nach den Spielen irgendwo landen und Müll verursachen. In Zukunft könnte es Fanartikel geben, die einige Wochen nach den Spielen zerfallen und als fruchtbaren Boden für Samen dienen.

WM – Zwischen allem Konsum ein bisschen Nachhaltigkeit
Markiert in:        

Schreibe einen Kommentar